Rheinbrohl. Wenn 2020 die Fußballeuropameisterschaft ausgetragen wird, finden sieben Spiele im Wembley-Stadion in London statt, darunter das Finale. Zahlreiche Busse und Übertragungswagen werden dann in einem pinken Parkhaus stehen, welches die Huber Car Park Systems International GmbH aus Rheinbrohl gebaut hat. Es ist das technisch herausragendste Projekt, dass das Unternehmen bisher umgesetzt hat, sagt Geschäftsführer Valentin Rüther.

Vor dem Londoner Wembley-Stadion ist das pinke Stadion aus der Luft gut zu erkennen. Foto: High Level Photography/Huber

Denn eine Bedingung war, dass das Gebäude mit 900 Parkbuchten und Platz für 300 Busse und Übertragungswagen zwei Stunden lang einem Feuer standhalten muss, bevor es frühestens zusammenbricht. „Die normale Widerstandsdauer sind null Minuten bei einem Parkhaus“, erläutert Rüther. Eine Herausforderung war auch die statische Belastung durch die Busse und Übertragungswagen. Nach rund eineinhalb Jahren Planungsdauer und eineinhalb Jahren Bauzeit ist das erste Stahlverbundbusparkhaus in dieser Größenordnung entstanden, berichtet Jutta Geis, kaufmännische Leiterin und Marketingchefin. Alle Stahlträger sind für die Feuerfestigkeit mit Beton verkleidet. Unterhalb des Parkhauses befindet sich ein Löschtank mit 730 000 Litern Wasser.

Die meisten Planungsarbeiten wurden von den Mitarbeitern in Rheinbrohl erbracht, erläutert Rüther. Das Unternehmen hat aber auch in London ein Büro genau wie im niederländischen Leiden und seit Kurzem auch in München. Wegen des drohenden Brexits wurde in Großbritannien jetzt auch eine Limited gegründet, denn das Unternehmen baut derzeit noch in London ein riesiges Parkhaus als Lager für Neuwagen für rund 40 Millionen Euro. Die pinke Farbe des gerade fertiggestellten Gebäudes hat übrigens mit dem Farbleitsystem des Wembley-Stadions zu tun, damit die rund 90 000 Menschen, die reinpassen, hinterher ihr Auto wiederfinden.

 

Das soll in Zukunft auch bei Parkhäusern des Rheinbrohler Unternehmens ganz einfach sein. Denn das Parkhaus wird digital, sagt Rüther. Es kommt ohne Schranken aus, eine Kamera erfasst das Nummernschild, wer mag, kann über eine App bezahlen. Das Parkhaus meldet an die Navigationsgeräte der Autos, wo noch Stellplätze frei sind. Parkplatzrempler können dank der Nummernschilderfassung problemlos aufgeklärt werden. Und wer nicht mehr weiß, wo er geparkt hat, gibt sein Kennzeichen einfach in den Automaten ein – der zeigt dann den kürzesten Weg an. „Es wird noch mehr Digitalisierung kommen, als wir uns jetzt schon vorstellen können“, ist Rüther überzeugt. Er erwartet, dass es auch eine stärkere Vernetzung mit dem Einzelhandel in den Städten gibt.

Die Beleuchtung im Parkhaus der Zukunft wird mit LED sichergestellt. Ist niemand unterwegs, wird sie zum Stromsparen heruntergefahren. Die Fördermittel für Elektroautos haben Bewegung in den Markt gebracht, spürt auch Huber. Ladesäulen sind immer stärker ein Thema in Parkhäusern. Will der Auftraggeber viele realisieren, hängt da ziemlich viel elektrischer Aufwand dran, weil dann ein Trafo benötigt wird, um die benötigten Strommengen zur Verfügung zu stellen.

Erwin Lötsch hat die Huber Integral Bau GmbH (HIB) 1990 in seinem Keller in der Rheinbrohler Vogtstraße gegründet. Er war seit 1956 bei der Hilgers-Werft beschäftigt, für die er bereits Parkhäuser gebaut hat, erzählt der Geschäftsführer. 2007 hat das Unternehmen seinen ersten Auftrag im Ausland an Land gezogen, 2010 zog es an den heutigen Standort mit Großraumbüros und viel Glas um. Heute beschäftigt das Unternehmen rund 150 Mitarbeiter aus 22 Ländern, darunter Bauingenieure, Architekten, Konstrukteure, Bauzeichner, Bautechniker, Kaufleute, Buchhalter und Fremdsprachenkorrespondenten. „Wir versuchen, das Personal in der Region zu finden“, sagt Firmengründer Lötsch. „Wir sind Kooperationspartner der Hochschule Koblenz“, ergänzt Geis. Wenn ihr Unternehmen sieben oder acht frisch ausgebildete Bauingenieure einstellt, dann können das schon mal 15 Prozent aller Absolventen in Koblenz sein. Auftragnehmer wie Airbus, BMW oder die Gesellschaft für Konsumforschung locken sie. Huber baut aber nicht nur Parkhäuser in Deutschland, Polen, den Niederlanden, Norwegen und Großbritannien, sondern hat auch acht von ihnen selbst finanziert und betreibt sie auch, erläutert Firmengründer Lötsch. „Die dabei gesammelten Erfahrungen helfen uns bei der Konstruktion von neuen Parkhäusern“, sagt Rüther. Viel laufe in der Branche über Mund-zu-Mund-Propaganda. Die Nachfrage steigt, 2018 hat das Unternehmen 10 465 Stellplätze gebaut, davon entfielen 4 550 auf HIB und der Rest auf die internationale Sparte. Im Jahr 2019 werden es nach Angaben von Geis allein 8 000 in Deutschland sein. „Früher hatten wir im Winter mal eine Regenerationsphase, heute kommen wir nicht zur Ruhe“, sagt sie.

Unternehmensgruppe Huber

Die HIB Huber Integral Bau GmbH realisiert die Projekte in Deutschland, die Huber Car Park Systems International GmbH im Ausland. Daneben sind beide an verschiedenen Unternehmen beteiligt. Darunter ist zum Beispiel die Electric ELB Gebäudetechnik GmbH Vogtland, mit der Huber bei der LED-Beleuchtung und den Elektroladesäulen zusammenarbeitet. Zudem ist es auch an Metalbark Sp. z.o.o. beteiligt, einem Stahl verarbeitende Betrieb in Polen, der für Huber produziert. Auch an Autopay Deutschland GmbH hält es Anteile, die für den Vertrieb der schrankenlosen Bezahlsysteme in den Parkhäusern verantwortlich ist.

Mit freundlicher Genehmigung der Rhein-Zeitung

Quelle: Yvonne Stock, Rheinbrohler bauen Parkhaus für Wembley, Rhein-Zeitung, Ausgabe A, vom 08.01.2020, Seite 23

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