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Teilen wird wieder groß geschrieben – insbesondere in der Mobilität. Während viele Branchen noch nach einem tragfähigen Konzept für die neue Sharing-Ökonomie suchen, gehört Carsharing inzwischen fest zum Lebensalltag in der Großstadt. Wir stellen die erfolgreichsten Formen vor und beleuchten die Vorteile des Mottos „ein Auto, tausende Fahrer, höchste Flexibilität.“

Was ist Carsharing und wie funktioniert es?

Carsharing ist – wie so viele andere moderne Dienstleistungen – ein Kind der mobilen Digitalisierung. In seinem Kern setzt Carsharing den altbekannten Autoverleih auf individueller Ebene um und macht es möglich, jederzeit und überall auf ein Fahrzeug zuzugreifen. Bei den meisten Sharing-Modellen ist es nicht mehr nötig, sich zu einem zentralen Verleihpunkt zu begeben, das Auto kann vielmehr direkt vom nächsten Parkplatz aus gebucht und genutzt werden. Auch die Tarife und Bezahlmodelle sind hier wesentlich individueller und rechnen meist nach Minuten ab.

Es ist deswegen so erfolgreich, weil es Mittelsmänner wie Autoverleiher für alltägliche Strecken überflüssig macht und außerdem die Möglichkeit eröffnet, jederzeit und überall ein Auto zu buchen, das bereits wenige Meter weiter zur Verfügung steht. Der Leihwagen kommt also zum Nutzer – und nicht mehr andersherum. Außerdem ist die Abrechnung so genau, dass sich auch kürzeste Strecken für den Fahrer lohnen, der sonst eine Tages- oder Stundengebühr beim Verleiher bezahlen müsste.

Carsharing setzt auf den Community-Gedanken und vernetzt die Mitglieder über eine App. In dieser App werden die verfügbaren Leihwagen in der Nähe angezeigt. Das Auto wird mittels PIN oder QR-Verifizierung entsperrt und kann dann für die gewünschte Strecke benutzt werden. Soll die Miete beendet werden, müssen die Benutzer nichts weiter tun, als den Wagen auf einem öffentlichen Parkplatz abzustellen und ordnungsgemäß zu verschließen.

Der nächste Fahrer kann dieses Fahrzeug dann wiederum über die App lokalisieren und direkt für seinen eigenen Weg buchen. Bezahlt wird nach gefahrenen Kilometern bzw. Minuten, abgebucht über das mit dem Community-Account verbundene Konto.

Damit sind Stadtbewohner so mobil, wie sie es wünschen. Sie müssen kein eigenes Auto unterhalten, brauchen sich nicht um die gefahrenen Kilometer Gedanken machen und auch das Tanken ist beim Carsharing bereits inklusive. Je nach Größe und Verbreitung des Anbieters ist das nächste freie Carsharing-Auto meist nur wenige Straßen entfernt, auch wenn die Großstädte wie Berlin und Hamburg hier traditionell besser versorgt sind.

Mit dem „Gesetz zur Bevorrechtigung des Carsharing“ wurde diese Form des Teilens übrigens von höchster Bundesstelle abgesegnet. Denn der Gesetzgeber sieht im Carsharing eine Möglichkeit „insbesondere klima- und umweltschädliche […] Auswirkungen des motorisierten Individualverkehrs“ zu verringern.

Wer nutzt Carsharing?

Carsharing etablierte sich zuerst in den Großstädten und verbreitete sich nach und nach in Peripherie und ländlichere Regionen. Die meisten Anbieter konzentrieren sich dennoch auf Ballungsgebiete, da hier die Nutzungsfrequenz hoch und die Zielgruppe weit verbreitet ist.

Denn gerade in der Stadt sind eigene Autos meist eine Belastung: Man zahlt beständig für ihren Unterhalt, benötigt sie aber dank guter Verkehrsnetze kaum. Viele Wege können zu Fuß erledigt werden, das Auto kommt nur bei Großeinkäufen oder längeren Ausflügen zum Einsatz. Zudem fehlt es in Städten meist an genügend Parkplätzen und wenn man Pech hat, erwischt man oft nur überteuerte Plätze.

 

So stellt sich für immer mehr Menschen die Frage nach dem Kosten- Nutzenverhältnis eines eigenen Autos.

Dieses Verhältnis ist insbesondere unter Millenials und den nachfolgenden Generationen ein großes Thema. Auch der Umweltaspekt kommt nicht zu kurz. Viele Carsharing-Anbieter haben immer mehr E-Autos im Programm, die schadstoffarm, CO2-neutral und leise durch die Straßen rollen. Damit wird die Feinstaubbelastung in den Städten durch Carsharing gesenkt und die Nutzer kommen in den Genuss der E-Mobilität, ohne sich ein noch vergleichsweise teures E-Fahrzeug selbst kaufen zu müssen.

Was kostet Carsharing?

Grundsätzlich sind die Kostenmodelle aller Carsharing-Anbieter von drivenow bis car2go ähnlich. Bei der Registrierung für einen bestimmten Service wird eine einmalige Gebühr fällig. Mit der Validierung des Führerscheins und der Installation der anbietereigenen App wird der Nutzer zum Teil der jeweiligen Sharing-Community.

Anschließend läuft die Bezahluhr erst los, wenn das Auto über einen Vorgang in der App „angemietet“ wird. Die Bezahluhr stoppt, sobald das Auto ordnungsgemäß verschlossen abgestellt wird. Einige Anbieter haben Flatrates im Programm und bieten analog zu den klassischen Verleihern auch Tagespakete mit Inklusivkilometern.

Die Minutenpreise liegen deutlich unter einem Euro, richten sich aber nach der Fahrzeuggröße. Als Einstiegsklasse zählen meist Kleinwagen wie Smart oder Mini, doch auch größere Sportlimousinen und Transporter gehören immer häufiger zum Angebot.

Zusätzliche Gebühren oder Strafzahlungen werden fällig, wenn Fahrzeuge weit über das eigentliche Fenster von bis zu 20 Minuten reserviert werden sollen oder der Nutzer falsch parkt. Einige Dienstleister nehmen auch eine kleine Gebühr pro Mietvertrag, das zum Schutzpaket im Schadensfall beiträgt.

Eine wichtige Klausel bei vielen Anbietern besagt, dass die Fahrzeuge nur kurzfristig außerhalb des jeweiligen Geschäftsgebiets genutzt werden können. Fahrten in andere Bereiche sind zwar möglich, doch muss das Mietende immer innerhalb der Geschäftsgrenzen erfolgen. Fahrten ins Ausland sind deshalb kaum möglich – und werden mit Strafen belegt. Allerdings halten auch hier einige Sharing-Dienstleister besondere Pakete bereit, auf die dann ausdrücklich hingewiesen wird.

Das notwendige Tanken – ob nun Benzin oder Strom – muss indes nicht vom Nutzer gezahlt werden. Geht der Tank zuneige, steuert der aktuelle Fahrer die nächste in der App ausgewiesene Partnertankstelle an. Dort wird das Auto kostenlos aufgetankt bzw. die Gebühr dem Anbieter in Rechnung gestellt. Wer ein fast leeres Auto anmietet und damit gleich tanken fährt, wird vom Anbieter für diesen Aufwand in den meisten Fällen mit zusätzlichen Freiminuten für das Kundenkonto belohnt.

Wann lohnt sich Carsharing?

Wer täglich viele Kilometer im Auto zurücklegt und zum Beispiel Pendler oder Außendienstmitarbeiter ist, gehört natürlich nicht zur Zielgruppe der Carsharing-Anbieter. Diese Zielgruppe besteht vielmehr aus Gelegenheitsfahrern, die ab und zu ein Auto benötigen, um zum Beispiel einen Großeinkauf zu erledigen oder zu einem Ausflug zu starten. Urlaubsreisen oder Umzüge in andere Städte sind beim Carsharing jedoch ebenfalls nicht vorgesehen.

Allerdings bieten gerade kleinere Start-ups Transporter an, die bei den etablierten Dienstleistern fehlen. Diese sind ideal für Einkäufe im Baumarkt oder Umzüge innerhalb des Stadtgebiets. Damit ist klar: Insbesondere auf der kurzen Strecke innerhalb der Stadt, die spontan mit dem Auto zurückgelegt werden soll, ist das Carsharing-Prinzip eine gute Alternative zu anderen Mobilitätslösungen.

Auch wenn die Minutenpreise sehr niedrig aussehen, so summiert sich der Fahrpreis am Ende doch – gerade bei Staus in der Rush Hour, wenn das Auto ohne Beendigung der Miete beim Shoppen vor der Haustür steht, wenn es für den Umzug beladen wird usw.

Trotz eines großen Anbieteraufkommens – gerade in den Ballungszentren – beschränkt sich der Wettbewerb meist auf wenige große Dienstleister, die sich nur in Teilen voneinander unterscheiden. Unabhängige Anbieter versuchen hier, sich mit besonders günstigen Konditionen und attraktiven Fahrzeugflotten zu positionieren. Das kann sich insbesondere beim Bedarf nach bestimmten Fahrzeugtypen auszahlen.

Allerdings steigt mit größerem Marktanteil auch die Verbreitung der Fahrzeuge, die zudem öfter bewegt werden. Ein dichtes Netz an Fahrzeugen, die spontan ein paar Straßen weiter gefunden und gemietet werden können, ist eines der größten Argumente für einen Anbieter – und das nicht nur in einer Stadt, sondern möglichst auch in anderen Orten des Bundesgebiets.

Zwar steigt damit auch die Chance, dass die Autos schnell „vergriffen“ sind. Doch je größer die Community ist, desto mehr investiert der Anbieter in neue Fahrzeuge und desto mehr Tankstellen oder Servicepunkte sind erreichbar.

Es lohnt sich daher immens, die verschiedenen Anbieter vor der Entscheidung genau unter die Lupe zu nehmen und den Minutenpreis, die Anmeldegebühren, die Fahrzeugflotte und das Kleingedruckte zu vergleichen.

Wie funktioniert Carsharing mit Stationsbindung?

Analog zu den Leihfahrrädern gibt es auch beim Carsharing Anbieter, die ihre Flotten nur an bestimmten Standorten anbieten. Die Fahrzeuge müssen beim Beenden der Mietzeit stets an diesen Standorten abgestellt werden.

Die Deutsche Bahn verfolgt diese Strategie sowohl bei den Fahrrädern als auch den Autos. Auch viele andere unabhängige Start-ups setzen auf Stationen. Was ein wenig der Flexibilität des Carsharings zuwider zu laufen scheint, entpuppt sich auf den zweiten Blick schnell als Vorteil.

Die Standortanbieter haben überdurchschnittlich oft Monatspakete im Angebot, die sie für Vielfahrer ohne eigenes Auto interessant machen. Zudem gibt es je nach Stadt und Anbieter Rabatte für Inhaber von Jahres- oder Bahncards für das Schienennetz.

Mit den festen Standorten sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass Gebühren wegen Falschparkens oder gar Abschleppens fällig werden. Zudem sorgen die Anbieter dafür, dass ihre hochfrequentierten Stationen stets mit genügend Fahrzeugen ausgestattet sind. Die Anbindung an Bahnhöfe und andere Verkehrsknotenpunkte macht den Umstieg zwischen den Fortbewegungsmitteln wesentlich komfortabler.

 

Dieser vergleichsweise hohe Komfort kostet teilweise mehr, erlaubt aber eine sicherere Streckenplanung, von der gerade Dienstreisende profitieren können. Auf der anderen Seite ist bei diesem Sharing-Modell ein wenig mehr Planung gefragt, die unter Umständen auch Umwege nach sich zieht.

Wie steht es um das private Carsharing?

„Mein Auto ist dein Auto“ heißt es bei vielen Plattformen, die Autobesitzer und Autofahrer zusammenbringen. Allerdings handelt es sich dabei nicht einfach nur um Sharing-Plattformen, wie man sie bereits für Ferienwohnungen oder Mitfahrten kennt. Vielmehr setzen viele Anbieter darauf, dass die registrierten Privatfahrzeuge mit entsprechender „Carsharing-Technik“ ausgestattet werden, sodass der Mieter das Privatfahrzeug bei Bedarf individuell abrufen kann.

Die Plattform kümmert sich um die „Verifizierung“ der angebotenen Fahrzeuge und stellt auch die Versicherung während der Fahrt für den Nutzer. Die Besitzer können den Preis pro Kilometer selbst festlegen und müssen davon jeweils einen Prozentsatz an die Plattformen abtreten.

 

Das private Carsharing wird immer beliebter, gerade weil echte Menschen ihre eigenen Fahrzeuge anbieten und damit nach Wunsch und Nachfrage Geld verdienen können. Je nach Inserat werden die Preise der kommerziellen Sharing-Anbieter unterboten.

Allerdings entsprechen die angebotenen Fahrzeuge natürlich nicht zwangsläufig dem gewünschten Standard bzw. sind eben auch privat genutzte Autos mit möglichen Verschleißerscheinungen und „Macken“. Zudem sind sie nur dann verfügbar, wenn der Besitzer zustimmt.

Dafür können mit diesen privaten Sharing-Modellen auch Gebiete abgedeckt sein, die für große Anbieter nicht attraktiv bzw. lukrativ genug sind.

Carsharing – ein Modell mit Zukunft und Vorbildfunktion?

Langfristig kann Carsharing die Hoffnungen des Gesetzgebers erfüllen, wenn sich insbesondere hier die E-Mobility durchsetzt und weiterentwickelt. Denn Carsharing ist die ideale Werbung für den benzinfreien Antrieb.

Schließlich können Autofahrer ohne große Investition und langfristige Verantwortung ausprobieren, wie ausgereift der E-Antrieb bereits ist. Größere Reichweiten und immer mehr Ladestationen für E-Autos im Carsharing hätten damit auch Vorbildcharakter für die gesamte Automobilbranche.

Auf der anderen Seite sollte Carsharing jedoch nicht als alleinige Lösung für die Probleme des Großstadtverkehrs angesehen werden. Optimale Effizienz und Nachhaltigkeit bleiben immer noch dem Individuum überlassen, das zum Beispiel in Carpools ein umweltbewusstes Verhalten zeigen kann.

Nichtsdestotrotz senkt das gesamte Prinzip „ein Auto, viele Fahrer“ das Fahrzeugaufkommen in der Stadt. Auf der anderen Seite wären Carsharing-Angebote gerade im ländlichen Raum eine Möglichkeit, um den Bevölkerungsschwund zu verlangsamen und die Anbindung an urbane Zentren zu erleichtern.

Obwohl Carsharing längst keinen Neuigkeitswert mehr hat, ist es immer noch vom breiten Massenmarkt entfernt.

Das zeigt sich nicht zuletzt am intensiven Wettbewerb zwischen unterschiedlichsten Anbietern und der Suche nach dem besten Community-Konzept. Hier werden sich vermutlich langfristig hauptsächlich jene Allianzen und Modelle durchsetzen, hinter denen große Autohersteller oder Verkehrsunternehmen stehen.

Diese können jedoch auch einen positiven Einfluss auf die städtische Politik haben. Arbeiten Verwaltungen und Sharing-Anbieter zusammen, wird die Alternative zum eigenen Auto in der Stadt noch attraktiver. Dies ließe sich zum Beispiel in steuerliche Vorteile für die Nutzer oder ein flächendeckendes Netz an Ladestationen übersetzen.

Ganz gleich, ob man ein Auto nun teilen will oder nicht – Carsharing ist ein idealer Ausgangspunkt, um über die urbane Mobilität von Morgen anders nachzudenken.

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